ADAC Fichtelgebirgsfahrt 2020 - ein Jahr innehalten

 

Normalerweise würde jetzt, Mitte Juni, die heiße Phase unserer Oldtimerfahrt beginnen. Aus den bekannten Gründen mussten wir unsere Veranstaltung absagen. Das gibt mir Zeit, einmal an die Anfänge zurück zu denken.

Ich gebe es zu: wahrscheinlich bin ich schuld, dass es überhaupt eine Fichtelgebirgsfahrt in dieser Form gibt. Auch wenn die erste Veranstaltung mit diesem Titel nicht vom MSC Wunsiedel durchgeführt wurde. Die fand nämlich im Jahr 2002 statt. Die Gemeinde Bad Alexandersbad suchte Möglichkeiten, das Lichterfest noch attraktiver zu machen und bereits am Nachmittag des Fest-Samstags Besucher in den Ort zu locken. Eine Oldtimer Ausfahrt schien das geeignete Mittel zu sein. So wandte man sich an einen "renommierten" Organisator, der dann auch eine Oldtimerfahrt entstehen ließ. Immerhin zwölf Teilnehmer konnten mobilisiert werden. Darunter auch wir mit dem GT. Das Ganze schien etwas mit der berühmten heißen Nadel gestrickt und die Teilnehmer waren nicht sonderlich begeistert über Streckenführung und Aufgabenstellung.

Dementsprechend war auch der Gemeinderat "not amused" und eigentlich sollte es im folgenden Jahr keine Oldtimerfahrt mehr geben, bis - ja, bis jemand auf den Gedanken kam: "Fragt doch mal den Molle".

Völlig überraschend erwischte mich der Anruf des damaligen Bürgermeisters von Bad Alexandersbad, Walter Lehner, der mich an einem Novemberabend zu einem Gespräch wegen des Lichterfestes einlud. Ich war einigermaßen ahnungslos, bis das Thema "Oldtimerfahrt" auf den Tisch kam. Herr Lehner fragte mich unumwunden, ob ich Interesse hätte, zum nächsten Lichterfest die Oldtimerfahrt zu organisieren, da dies mit dem bisherigen Organisator wohl nicht das gewesen war, was man sich vorgestellt hatte. Ich erbat mir etwas Bedenkzeit, denn zu realisieren war dies nur mit Hilfe meiner Freunde vom MSC Wunsiedel. Nachdem ich mir ein grobes Konzept überlegt hatte (Form, Personal, Finanzen), stapfte ich damit zu unserem ersten Vorsitzenden, Uwe Pössnecker, und informierte ihn, was da vielleicht auf uns zu käme. Bei der nächsten Versammlung unterbreitete ich dann die Sache unseren Mitgliedern (und angedachten Mit-Organisatoren) und rannte damit die sprichwörtlichen offenen Türen ein. Lange bevor dieser Satz von anderen Persönlichkeiten in den Mund genommen wurde, waren wir uns einig: "Wir schaffen das!"

Alles, was zu tun war, machten wir zum ersten Mal, alles wollte wohl überlegt sein und jeder brachte seine Ideen und Vorschläge ein, so dass wir im Juli 2003 tatsächlich unsere erste "Großveranstaltung" über die Bühne brachten. Ich war ja schon einige Jahre in der Oldtimerszene unterwegs, kannte dementsprechend viele Leute, die ich einladen konnte und so begrüßten wir 50 Teilnehmer am Start. Alles verlief perfekt, die Teilnehmer waren zufrieden, Zuschauer kamen zuhauf und vom Bürgermeister gab es ein großes Lob sowie die Bitte, das doch im nächsten Jahr zu wiederholen.

Ab jetzt begannen alljährlich im November die Vorbereitungen für die jeweilige Fichtelgebirgsfahrt im nächsten Juli. Je mehr das Ganze zur Routine wurde, um so mehr konnten wir verbessern, an Details feilen und unsere Fahrt immer weiter perfektionieren. Bis wir im Jahr 2009 zum ersten mal einige Bewerber abweisen mussten, weil wir einfach restlos ausgebucht waren. Der Platz in Bad Alexandersbad reicht nun mal nicht für unbegrenzt viele Fahrzeuge, außerdem musste man für die obligatorische Kaffeepause immer ein Lokal mit genügend Kapazitäten (und Parkplätzen) finden. So waren 75 Fahrzeuge für uns die absolute Obergrenze.

Nach einigen Jahren machte ich deutlich, dass ich keinesfalls die "Rollator-Rallye" durchführen würde. Wollte sagen, irgendwann würde ich die Führung abgeben. Zum einen, um einmal neuen Ideen Raum zu geben, zum anderen aber auch, um meine Freunde vom MSC vor meinem evtl. auftretenden Alters-Starrsinn zu verschonen.

Als die Vorbereitungen für die Ausgabe 2016 anstanden, machte ich den Vorschlag, entweder ein Jahr zu pausieren, oder die Fahrt in andere Hände zu übergeben. Die Meinung innerhalb des MSC war dann, dass man nicht pausieren wolle. Es wurde der Einwand gebracht, wenn wir erst einmal aus dem Bewusstsein der Teilnehmer verschwunden wären, wäre es schwer, danach wieder Teilnehmer für unsere Fahrt zu motivieren. Also übernahm ab 2016 unser Sportleiter Sascha Beier die Vorbereitungen für die Tour. Da ich mich aber nicht von Hundert auf Null aus der Veranstaltung lösen wollte, mach ich seitdem nur noch kleinere Zuarbeiten, was mir immer noch Spaß bereitet. Auf diese Weise konnte ich dann im Jahr 2018 tatsächlich zum ersten mal mit meinem GT an "meiner" Veranstaltung teilnehmen: ich kombinierte die Teilnahme mit der Tätigkeit als Parkeinweiser am Zwischenziel. So konnte ich die komplette Strecke fahren - und hab mich zwischendurch auch noch nützlich gemacht.

Als die Vorbereitungen für die Ausgabe 2020 anliefen, ahnten wir noch nicht, dass es in diesem Jahr keine Fichtelgebirgsfahrt geben sollte. Die Strecke stand fest, das Bordbuch war im Entwurf fertig, das Lokal für die Kaffeepause war organisiert und an weitere hundert Sachen war gedacht... Dann kam Corona. Als sich abzeichnete, dass Veranstaltungen wie das Lichterfest in diesem Jahr nicht durchgeführt werden dürfen, fuhren wir auch die Arbeiten an unserer Fahrt zurück. Wir werden wohl versuchen, 2021 die Fahrt in der geplanten Form durchzuführen - wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt.

2020 hätte auch die Feuertaufe für unseren neuen Fahrtleiter Michael Böhm werden sollen (können). Er ist seit Anfang des Jahres erster Vorsitzender des MSC Wunsiedel und damit Fahrtleiter der ADAC Fichtelgebirgsfahrt. Aber auch diese Premiere müssen wir um ein Jahr verschieben.

Ich hoffe und wünsche, dass wir bis dahin alle gesund bleiben und dass wir uns im Juli 2021 zur dann 18. Ausgabe der ADAC Fichtelgebirgsfahrt wiedersehen.

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